Erste Flugversuche bei den Waldkäuzen

Die Pfadfindergruppe „Waldfriedener Waldkäuze“ startete die erste Gruppenstunde 2019 mit dem Thema „Fliegen“.
Martin, ein Eltern-Kauz* der von Beruf Pilot ist, hat uns in seiner Andacht mit in die Vergangenheit der Luftfahrt genommen:

Am fünften Tag schuf Gott die Vögel, in einer unfassbaren Schönheit und in imponierend großer Vielfalt. Vorbei war es mit der Stille. Im Himmel flatterte und zwitscherte es. Majestätische Adler, rosa Flamingos, freche Spatzen und viele viele andere Vögel lebten nun auf der Erde.

Wenn Leonardo da Vinci über den Markt von Florenz flanierte, galt sein erster Besuch den Vogelhändlern. Er war kein reicher Mann. Trotzdem kaufte er sehr häufig eingesperrte Vögel, nur um sie dann frei zu lassen. Die Leute lachten ihn aus, weil er etwas in ihren Augen völlig verrücktes tat. Doch Leonardo meinte dazu: „Niemand hat das Recht, ohne Prozess ein Lebewesen, sei es Tier oder Mensch, einzusperren. Jeder hat von Gott seine Freiheit empfangen, und niemand kann sie rauben.“  Bei ihrem Flug in die Freiheit studierte er ihren Flügelschlag und fertigte seine ersten Zeichnungen an. Doch es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis es dem ersten Menschen möglich wurde abzuheben.
Otto Lilienthal gilt als einer der größten Luftfahrtpioniere der Geschichte. Auch er erkannte, dass der Mensch nur zum fliegen befähigt werden kann, wenn wir den Schlüssel in einem von Gottes Geschöpfen suchen. „Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst“ lautet der Buchtitel seiner ersten Veröffentlichung. „Alljährlich, wenn der Frühling kommt, und die Luft sich wieder bevölkert mit unzähligen frohen Geschöpfen,…“- so wunderschön beginnt dieses Buch. Er beobachtete und studierte ebenfalls den Vogelflug, und entdeckte das fehlende Puzzleteil, welches den Menschen endlich das Fliegen ermöglichen sollte. Er erkannte, dass der Flügelquerschnitt und das Profil eines Vogelflügels eine entscheidende Rolle spielen. Wie gerne wäre ich dabei gewesen, als Lilienthal den zündenden Gedanken hatte. Als Gott ihn segnete und ihm die Erkenntnis schenkte, muss er außer sich vor Euphorie und Freude gewesen sein.
Wenn wir unseren Glauben mit dem Fliegen vergleichen, so stellen wir fest, dass beides eng mit „Zweifel“ verbunden ist. Was? Fliegen willst du? Was soll dich schon tragen. Die Luft ist in ihrem Allgemeinzustand unsichtbar, und doch vermag sie Blätter zu bewegen und sogar tonnenschwere Flugzeuge zu tragen. Wie unvorstellbar groß, muss da die Kraft von unserem Gott sein, der uns auffängt wenn wir in der Luft hängen, der unsere Zweifel beseitigt wenn wir den Absprung wagen und der uns neue Perspektiven schenkt und unsere Fantasie fliegen lässt.

*Eltern-Kauz: So nennen wir liebevoll die Eltern unserer Pfadfinder 🙂

Die Waldkäuze hätten Martin noch ewig zuhören können.
Als nächstes erklärte er uns anhand eines selbstgebastelten Flügels aus Pappkarton den Bernoulli Effekt. Die Flügelunterseite ist fast gerade, während die Oberseite gewölbt ist. Der Luftstrom hat unten einen kürzeren Weg als oben, das heißt, oben strömt die Luft schneller. Nach Bernoulli heißt das nichts anderes, als dass der Druck oben geringer ist als unten – es entsteht also Auftrieb.
Noah, der Vogel-Experte unter unseren Pfadfinder-Kindern hatte seine beeindruckende Federsammlung mitgebracht. So konnten wir die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Flugzeugflügel und Vogelflügel sehr gut erkennen. In einem Experiment mit dem Fön, wurde die Theorie getestet und erlebt. Wow, tatsächlich konnten wir spüren, wie stark es den Flügel und die Feder nach oben saugt.

Die Kinder haben das Prinzip sofort verstanden. Wenn man einen perfekten Papierflieger falten möchte, ist einem dieses Wissen sehr hilfreich. Eifrig und mit größter Sorgfalt bastelten wir einen Weltklasse-Papierflieger. Alle Flugschüler durften sich nun am Flughafen (unsere Kirche) versammeln .  Auf dem Rollfeld warteten bereits verschiedene Mitarbeiter auf ihren Einsatz. Die Flugtauglichkeit und Technik wurden noch einmal überprüft, und die Flugzeuge mussten betankt, und das Gepäck eingeladen werden. Bereit zum abheben? Dann ab zur Startbahn. Vom Tower aus regelte Fluglotse Martin  den Flugbetrieb. Er erteilte die Starterlaubnis und gab jedem Papierflieger noch ein individuelles Tuning, sodass bald jeder Flieger einen optimalen Gleitflug absolvieren konnte. Nachdem die Flugschüler sich mit ihrem Flieger eingespielt hatten, begann das „Landetraining“. Ziel war es, seinen Papierflieger durch einen Hula-Hoop-Reifen fliegen zu lassen, der auf zwei Stühlen stand. Unter großem Jubel, schaffte es gleich der erste Flieger die Landebahn erfolgreich anzuvisieren.
Am Ende dieses schönen Ausflugs in die Welt des Fliegens, sangen wir noch einmal unser Pfadfinder Lied und gingen gut gelaunt „Schritt für Schritt“ nach Hause.

Impressionen

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